Ins Deutsche übertragen von Susanne Kregeloh
>>Mutter, habt Ihr den Verstand verloren?<< Johanna liess sich im Gemach ihrer Mutter auf die Wäschetruhe sinken; ihre Gedanken wirbelten wild durcheinander. Sie sah ihre Mutter ungläubig an.>> Habe ich richtig verstanden, dass Ihr heute Morgen im WSald einen wildfremden Mann aufgelesen habt und ihm eine Bezahlung angeboten habt, wenn er meinen Ehemann spielt? Du lieber Gott, Madam, diese Bursche könnte diese Geschichte inzwischen in den halben Grafschaft herumerzählt haben. Wahrscheinlich braucht es nur eine ausreichende Menge Ale, um ihn zum Plappern zu bringen Was hat Euch nur dazu getrieben?<<
>>Vor allen Dingen dein Wohlergehen<<, erwiderte ihre Mutter tadelnd. >>Ausserdem habe ich ihn nicht aufgelesen. Wir sind uns zu ersten Mal vor einigen Tagen begegnet, als er versucht hat, Father Gilbert zu überfallen.<<
Johannas Augen wurden noch grösser. Einen Augenblick lang fehlten ihr die Worte, ihre Entrüstung auzudrücken. >>Nur versucht!<<, rief sie aus. >>Gott steh mir bei, Ihr gebt jetzt also zu, dass er nicht nur ein Gesetzloser ist, sondern obendrein auch noch ein recht dummer.<<
<< Ihre Mutter hob besänftigend die Hand. >>Er ist ein armer Student, und war schrecklich hungrig.<< Liess das Johanna etwas freundlicher über den Mann denken?
>>Und zudem ein ziemlich missratener, so wie es sich anhört.<< Johanna erhob sich und ging zwischen Bett und Tür hin und her. Lady Constance war normalerweise nicht so leichtsinnig. Ganz sicher führte sie Conisthorpe mit ebenso viel Geschick, wir Lord Alan es immer getan hatte, und meistens suchte sie Dienerschaft sehr sorgfältig aus. Hatte dieser Gesetzlose eine so beredte Zunge? Vermutlich hatte er sich das Wohlwollen ihere Mutter damit erschlichen.
>>Und noch etwas.<< Johanna fuhr herum. >>Warum unterrichtet Euer Student nicht die Söhne eines reichen Mannes? Oder ist er irgendwo als ehrenhafter Schulmeister in Lohn und Brot? Was tut er eigentlich noch, ausser dass er vesucht, wehrlose Priester zu überfallen? Unsere Rehe wildern?<<
Lady Constance griff nach Jophannes hand und hielt sie fest. >>Ich bin nicht eine solche Närrin, wir du anzunehmen scheinst. Dieser Mann wird uns zu Diensten sein, vertrau mir nur. Wie sonst sollte ich so schnell einen Fremden auftreiben, einen, der bereit ist zu beschwören, dass er dich geheiratet hat, bevor du die Ehe mit Fulk eingegangen bist?<<
Johanna zog die Hand weg. >>Madam, begreift Ihr wirklich nicht die Tragweite dessen, was Ihr da sagt? Ihr habt einen dahergelaufenen Schwindler aufgefordert, hierher zu kommen und sich als mein Gemahl auszugeben. Denkt doch einmal nach! Warum sollte eine Frau meines Standes mit einem armen Studenten die Ehe eingehen?<<
>>Du könntest erklären, dass du dich verliebt hast. Ausserdem hast du ihn noch nicht gesehen. Du urteilst über einen Wein, den du nicht gekostet hast.<<
>>Natürlicht tue ich das.<< Johanna hob abwehrend die Arme und gestikulierte heftig. >>Ich hätte diesen sauren Wein von vornherein gar nicht erst gekauft. << Sie seufzte aufgebracht und sammelte ihre Näharbeit und die Stickseide zusammen.
>>Angenommen, ich würde es für dich arrangieren, ihn zu treffen, Johanna?<< Ihre Mutter legte ihr die hand auf den Arm. >.Nein, hör zu, reite morgen früh zur heiligen Quelle, um dein Gesicht darin zu waschen. Der junge Mann kann dich dort treffen. Und dann sag mir, ob ja oder nein.<<
>>Was, ish soll in den Wald gehen, um mir dort Gewalt antun zu lassen? Neine, danke, Mutter, mir reichen die Erfahrungen, die ich mit meinem Ehemann gemacht habe.<<
Ihre Mutter hielt Johannas empörtem Blick unbeindruckt stand. >>Father Gilbert kann dich begleiten. Er kennt den Studenten schon.<<
>>Der Priester weiss also über diese Sache Bescheid?<, Das zügelte Johannas vehemente Entrüstung ein wenig. Sie presste die Lippe zusammen; nachdenklich drückte sie ihre Stickarbeit gegen die Brust. Was konnte es schaden? Der alte Wagemut in ihr erwachte zum Leben. >>Ich hatte auch schon daran gedacht, die heilige Quelle aufzusuchen. Es hilft veilleicht, meine Wunden schneller heilen zu lassen.<, Dann seufzte sie, >>Aber es wird nicht gehen. Edyth wird darauf bestehen, mich zu begleiten ... sie ist wie mein Schatten.
>>Ich werde den Mann warnen.<< Lady Constance begann, ihren Schleier zu lösen. >>Ich beeile mich besser, wenn ich ihm noch heute Nachmittag Bescheid geben will, Ich hoffe, er wird einverstanden sein. Um ehrlich zu sein, er ist von meinem Vorhaben ebenso wenig begeistert wie du.<< Das war immerhin ein schwacher Trost.
>>Aber klingende Münze löst selbstverständlich die Bänder, die sein Gewissen binden.<<
>>Du hast vermutlich Recht, Lämmchen. Wo ist meine Haube?<, Sie durschwühlte den unordentlichen Stapel von Kleidungsstücken auf ihrem Bett. >>Ich bin dankbar, dass du schliesslich doch noch eingelenkt hast. Dieser Mann ist perfekt für unsere Zwecke geeignet, und lass uns den Tatsachen ins Auge sehen, Johanna: Wir sind in dieser Sache die Bettler und müssen uns auf jedes Pferd setzten, das wir kriegen können.<<
>>Mutter, er ist ein Bettler, und er wird uns auf der Nase herumtanzen, wenn wir nicht auf der Hut sind.<<
Reproduced with the kind permission of Bastei Lübbe.

